Das Derby als Fußballfest

1B

2:2 in einer packenden Partie.

Von diesem Spiel wird man noch lange sprechen. Was für ein Derby! Ein Spiel, für das man als Unterhauskicker und -fan lebt. Eine einzigartige Kulisse am Freitagabend in der Mozart-Arena in Ried. Geschätzt 400 Besucher kamen, um sich diesen Leckerbissen in der 5. Runde anzusehen. Und was gibt es denn bitte schöneres, als zu Fuß zu einem Auswärtsspiel gehen zu können?

Das Spiel - etwas besonderes. Für die Trainer, für die Fans und vor allem für zahlreiche Spieler. Auf SPG-Seiten etwa für Christoph Siegele, Michael Schranz und Manuel Lentsch. Alle drei wohnen in Ried. Auf der Gegenseite für Jesse Lang, der plötzlich gegen seinen besten Freund spielt, aber auch für Mathias Stecher und Raphael Tilg, welche jahrelang das SPG-Trikot trugen und vor Saisonbeginn nach Ried wechselten.

Mit dem Anpfiff wurde aufs Tempo gedrückt. Befürchtungen, dass durch etwaige Nervosität und Übermotivation ein Treterei entstehen würde, erstickten im Keim. Die Rieder mit gutem Pressing, die junge SPG-Auswahl sichtlich nervös. So starteten die Hausherren aktiver und mit Spielvorteilen in die Partie.

Anschließend wogte die Partie im Mittelfeld hin und her, klare Torchancen waren Mangelware, ehe es in 10 Minuten 4x klingelte.

Ein langer Diagonalpass aus der Rieder Verteidigung und Aziz Özcanli erzielte mit einem Lupfer ins lange Kreuzeck das sehenswerte 1:0.

Was jedoch 2 Minuten später folgte, sorgte für staunende Gesichter und offene Münder. Als Spielberichtsverfasser und Fan bereue ich es, dass dieses Tor nicht auf Video festgehalten wurde, denn mit diesem Volltreffer wäre der "FIFA Ferenc Puskás Award" für das schönste Tor weltweit definitiv vergeben. Und der Torschütze hieß wieder Aziz Özcanli. Wieder kam der Rieder Angreifer auf der linken Seite an die Kugel und danach gab es eine wahre Zaubershow (mit dem Zusatz, dass die SPG schlecht verteidigte). Den Ball in der Luft gehalten und den SPG-Verteidiger erst rechtsum überlupft, dann linksum und dann kam das Sahnehäubchen dieser Aktion: Vom linken Strafraumeck via (!) Fallrückzieher eine Bogenlampe ins kurze Kreuzeck. Ein Traumtor der Marke supermegaextraklasse. Anders kann man das nicht mehr bezeichnen. Für das Trikotausziehen beim Torjubel sah er gelb (für mich eine der dümmsten Regeln im Regelwerk - Privatmeinung!).

Es war als SPG-Anhänger schwer noch an die Mannschaft zu glauben, doch bereits vor einer Woche gegen die Zugspitze zeigte unsere Elf Comeback-Qualitäten und so auch dieses Mal. Nur 4 Minuten später wurde Stefan Bernhart von Jesse Lang im Strafraum gefoult und Florian Weger verwertete den Strafstoß eiskalt.

Weitere vier Minuten drauf ein schöner Angriff über rechts, den ersten Abschluss konnte Ried-Keeper Florian Kurz parieren, der Nachschuss von Jonas Zangerle-Walter zappelte dann aber im Netz. Alles wieder auf Anfang.

Nach dem Seitenwechsel übernahmen wieder die Rieder zuerst das Kommando. Viel ging vorne über die beiden schnellen Spitzen. Und in Minute 70 die große Chance auf die neuerliche Führung. Nach einem (saudummen) Foul von Maximilian Schmid an Markus Kurz entschied der Referee wieder auf Strafstoß. Ali Yaliniz trat gegen Christoph Siegele an und unser Keeper konnte den extrem harten, aber unplatzierten Schuss bändigen und über die Latte lenken.

Im Gegenzug dann Aufregung. Stefan Bernhart war durchgebrochen und wurde kurz vor dem Strafraum von den Beinen geholt. Kein Foulpfiff - sehr verwunderlich. Zeigte der Schiri in der ersten Stunde eine passable Leistung (man muss dem jungen Mann aber Respekt zollen, mit solch einer Partie beauftragt zu werden), so fiel er die letzte halbe Stunde unverständlicherweise total ab. Klare Fouls wurden nicht geahndet, einfache Fouls mit gelb bestraft und er brachte dadurch Hektik und Unsicherheit in die Partie. Unter der Woche war vom SV Ried eine Dreifach-Besetzung beim TFV beantragt worden. Auch die SPG unterstützte diesen Wunsch. Doch offenbar ist es am Freitagabend nicht möglich, drei Referees zu einem Derby zu schicken. Oder es ist gewissen Herren einfach egal!

Aufregung dann nochmals in der Nachspielzeit. Der Ball zappelte im Tor und Rasim Demir drehte jubelnd ab. Doch der Referee entschied auf Abseits, welches vom Linienrichter angezeigt wurde. Nach dem Spiel entstanden dadurch natürlich Spannungen und Beleidigungen in der Emotion. Gut, dass sich rund eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff alles legte, als der Schiedsrichter mit seinem Beobachter zu den Verantwortlichen ging und die Korrektheit der Abseitsstellung bestätigte. Das hätte man als Schiedsrichter bzw. Beobachter auch souveräner lösen können - und zwar in dem man die Information SOFORT nach Schlusspfiff am Platz weitergibt und nicht erst eine halbe Stunde später.

Am Ende gab es an diesem Abend keinen Verlierer, aber viele Gewinner. Die Spieler, die eine tolle Leistung und ein intensives Spiel zeigten. Die Fans, welche eine tolle Darbietung geboten bekommen haben und nicht zuletzt der SV Ried, welcher an diesem Abend sicher einen tollen Verkaufsumsatz machte.

Und das schönste kommt ja bekanntlich zum Schluss: Gegner auf dem Platz, doch danach sofort wieder Freunde. So wurde am Rieder Sportplatz noch gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Und damit wird der Anfang des Berichts auch das Ende: Es begann als Derby und endete als Fußballfest!

Danke an alle Beteiligten und wir wünschen dem SV Ried alles Gute für den weiteren Saisonverlauf. Natürlich freuen wir uns heute schon aufs Rückspiel im Frühjahr in Prutz.

Danke an Georg von Blitzlicht Design für die Fotos.

SV Ried - 1B SPG Prutz/Serfaus 2:2 (2:2)

Tore: Aziz Özcanli (2) bzw. Florian Weger (Strafstoß), Jonas Zangerle-Walter